Wohnungshygiene in Dresden um 1900

Denkt man heutzutage an Wohnungsprobleme, fallen Mediziner:innen vermutlich am ehesten Klempner, Installateure und Maler als geeignete Expert:innen ein. Um 1900 war das Thema "gesundes Wohnen" jedoch fest in der medizinischen Wissenschaft verankert. Als "Wohnungshygiene" stand es in ganz Deutschland auf den Lehrplänen der Hygienelehrstühle - nicht zuletzt auch in Dresden. In jüngster Zeit erhält das Thema Wohnen wieder vermehrt Aufmerksamkeit, etwa durch die WHO, die 2021 "Housing and Health" zu einem der drängsten Probleme des 21. Jahrhunderts erklärt hat.

Vor diesem Hintergrund soll das Promotionsprojekt einen Beitrag zur Geschichte der Wohnungshygiene leisten – mit besonderem Fokus auf Dresden. Die Stadt nahm um 1900 eine bemerkenswerte Stellung in diesem Feld ein: Das Fach wurde nicht nur früh an der Technischen Hochschule gelehrt, vielmehr publizierten Dresdner Mediziner auch einflussreiche Studien, etwa zum Zusammenhang zwischen Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern und sommerlicher Hitze. 1911 widmete die Internationale Hygieneausstellung der Wohnungshygiene eine eigene Sektion, und im selben Jahr richtete Dresden den Internationalen Kongress für Wohnungshygiene aus, zu dem Hunderte Architekt:innen, Ingenieur:innen, Mediziner:innen und Statistiker:innen aus aller Welt anreisten.Ziel des Projekts ist es, die Rolle Dresdner Wissenschaftler:innen und Institutionen anhand historischer Quellen zu rekonstruieren.

Mögliche Forschungsfragen

  • Wie gelang es Dresden, mit den etablierten Zentren der Hygiene (Genf, Brüssel, Paris) Schritt zu halten?
  • Wer waren die maßgeblichen Protagonist:innen der Wohnungshygiene in Dresden, und welche Rolle spielten sie in der kommunalen Gesundheitsversorgung?
  • Welchen thematischen Fokus setzte der Dresdner Kongress im Vergleich zu Vorgängerveranstaltungen, und welche Impulse gingen von ihm aus?
  • Wie gestalteten Mediziner:innen die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Architektur und Ingenieurwesen?
  • Lassen sich Rivalitäten zwischen Ländern, Städten, Fächern oder intellektuellen Schulen identifizieren?

Methodische Optionen

Möglich ist eine klassische hermeneutisch-qualitative Quellenanalyse ebenso wie der Einsatz digitaler Verfahren (N-Gram-Analyse, Topic Modeling, soziale Netzwerkanalyse). Denkbar wäre zudem, den Kongressbericht als kommentierte digitale Edition aufzubereiten.

Art der Promotion
theoretisch
Forschungssemester notwendig?
freiwillig
Finanzierung/Anstellung
Nein
Angeschlossen an ein strukturiertes Promotionsprogramm?
Ja Graduiertenakademie der TU Dresden; institutsinternes methodisches Curriculum; Doktorandenkolloquium
Zeitplan
01.10.26 36 Monate
ein Dokument mit weiterführenden Informationen
Keine Datei

Betreuung

Erstbetreuung

Relevante/Repräsentative Publikation mit evtl. Vordaten

Methodik/Aufgaben

Experimentell
klinisch
theoretisch
analoge Quellenarbeit, Digitale Quellenarbeit
statistisch
analoge Datenauswertung, Datensatz bereits vorhanden (z. B. Excel-Tabelle), Digitale Datenauswertung

Bewerbung

E-Mail
Bewerber:innen-Profil
Gewünscht ist ein:e Bewerber:in mit dezidiertem Interesse für geschichtliche Fragestellungen und der Bereitschaft sich in geisteswissenschaftliche Methoden und Denkstile einzuarbeiten
Benötigte Bewerbungsunterlagen
Motivationsschreiben, Lebenslauf